Forchbahn (de-CH)

Bauprojekte

Wie eine Vision den «Verkehrsschreck Forchbahn» unter die Erde brachte

02.03.2022

Seit bald 50 Jahren fährt die Forchbahn von Waltikon bis Neue Forch unterirdisch. Die Vision Tunnel war wegweisend für ihre Weiterentwicklung.

Wie selbstverständlich taucht die Forchbahn heute kurz nach der Haltestelle Neue Forch ab in den Tunnel und kommt nach 1,7 km und den Stopps in Maiacher und Zumikon kurz vor Waltikon wieder ans Tageslicht. Ganz so selbstverständlich war die Tunnellösung Anfang der 1970er-Jahre indes nicht. In den bis 1963 ausgearbeiteten Projekten war eine einspurige Bahn durch Zumikon angedacht. Aufgrund der gewaltigen Frequenzsteigerungen, die der Prognose um zehn Jahre voraus waren, war klar, dass nur eine Doppelspur in Zukunft genügen würde. Insgesamt wurden im Auftrag des kantonalen Tiefbauamts elf Varianten einer neuen Linienführung studiert. Letztlich blieben zwei Optionen: entlang der neuen Forchstrasse oder ein Tunnel, wobei für letztere Variante eigentlich die finanziellen Mittel fehlten.

Die Gemeinde Zumikon, parallel noch mit der Planung eines Dorfzentrums beschäftigt, insistierte mehrfach beim Kanton. «Soll diese Gemeinde am Chapf von heute rund 3000 Einwohnern auf 8000 Menschen im Jahr 2000 anwachsen, dann ist es wohl heute schon an der Zeit, den ‹Verkehrsschreck Forchbahn› aus dem Dorfbild zu verbannen und als Tiefbahn durch Waltikon und Zumikon zu führen», schrieb die Neue Zürcher Zeitung am 17. Februar 1970 in ihrem «Zumiker Kaleidoskop». Im April 1971 berichtete die NZZ: «Die Zumiker Behörden sind alarmiert und haben um eine dringende Aussprache bei der Regierung nachgesucht, um zu retten, was zu retten ist. Und das ist nicht weniger als das Herzstück einer Gemeinde, die sich in voller Entwicklung befindet.» Es ging dabei – natürlich – um die Forchbahn und das Dorfzentrum sowie die damit verbundenen finanziellen Aufwendungen. «Die Tunnellösung muss aber gewählt werden, bevor bedeutende Mittel in der Dorfkerngestaltung investiert sind.»

So wurde ein Projektwettbewerb für ein neues Gemeindehaus zu einem eigentlichen Rohrkrepierer. Solange der letzte Entscheid in Sachen Forchbahnlinienführung nicht gefallen sei, liege die Zentrumsplanung auf Eis. Die Forchbahn wurde zum «Prügelknaben» (NZZ, 16. Juni 1971). Schliesslich überwog die Erkenntnis, dass eine oberirdische, doppelspurige Führung mitten durchs Dorf zu viele Nachteile hatte. Die Interventionen der Gemeinde beim Kanton führten zu einem Baustopp in letzter Minute, als die Gleisverlegungsarbeiten auf der Höhe von Waltikon angekommen waren. Der Gemeinderat Zumikons zog die Notbremse und warf sich «mit letzter Anstrengung dem drohenden Verhängnis» entgegen, «das Dorf für alle Zeiten durch eine Bahn zu zerschneiden und jede Zentrumsgestaltung zu verunmöglichen» (NZZ, 16. Dezember 1971). In kürzester Zeit wurde das entsprechende Verhandlungsprojekt ausgearbeitet. Die Gemeindeversammlung vom 14. Dezember 1971 verabschiedete schliesslich den Kredit von 12,9 Mio. Franken, wobei der Gemeindebetrag 8,8 Mio. betrug.

Am 1. April 1973 begannen die Bauarbeiten. Das Tunnel wurde im Tagbau mit vorfabrizierten Schlitzwänden realisiert. Gleichzeit schlängelte sich die Forchbahn oberirdisch auf teilweise provisorisch verlegten Gleisen langsam durch Zumikon. Vorerst war ein Tunnel geplant, der von Waltikon bis Zumikon doppelspurig und von Zumikon bis zum Tunnelende Maiacher einspurig geführt wird. Doch das Projekt wurde mit dem Bauen länger. In einer ersten Phase wurde der Tunnel über das Dorfzentrum hinaus verlängert. Und bei einem Presserundgang im November 1974 präsentierte Forchbahn-Verwaltungsratspräsident Max Walt ein weiteres Ausbauprojekt mit der Absicht, den Tunnel um rund 550 m weiterzuführen und die Doppelspur bis Neue Forch fortzusetzen. Dies hatte, bis zur Bewilligung, einen Baustopp zur Folge. Damit wurde auch der Bahnübergang Chalberweid aufgehoben. Am Donnerstag, 9. September 1976, fuhr erstmals ein Zug versuchsweise durch den Tunnel. Das grosse Eröffnungsfest fand am 25. September 1976 statt – mit Regierungspräsident Alois Günthard, Gemeindepräsidentin Elisabeth Kopp sowie Max Walt als Präsident des Verwaltungsrats sowie ehemaliger Gemeindepräsident von Zumikon und laut Kopp «Vater des Tunnels».

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