Forchbahn (de-CH)

Bauprojekte

Rundum-Erneuerung nach 60 Jahren

12.10.2021

Rund 25 kleinere und grössere Projekte hat die Forchbahn für die Sanierung und Modernisierung ihrer Anlagen zu bewältigen. Im Rahmen einer Medienveranstaltung informierte die Forchbahn über die Hintergründe und Zusammenhänge der einzelnen Projekte.

«Die Forchbahn ist seit 1912 in Betrieb. Die Lebensdauer von Eisenbahn-Infrastrukturen beträgt rund 60 Jahre», erklärt Forchbahn-Geschäftsführer Hanspeter Friedli. Deshalb stehen nach einem Investitionsschub zwischen 1959 und den 1970er-Jahren nun wieder grosse Investitionen bevor. Im Rahmen der Umsetzung des Behindertengleichstellungsgesetzes muss die Forchbahn sämtliche Haltestellen behindertengerecht umbauen. Ebenso benötigt der 1976 eröffnete Tunnel Zumikon eine Sanierung. Gleichzeitig sind die Sanierungen so zu gestalten, damit auch der neue Lebenszyklus wieder 60 Jahre beträgt. Dazu kommen auch Anpassungen an die aktuellen Vorschriften betreffend Sicherheit (beispielsweise Gleisabstände, Perronbreiten). «Unser Credo ist, dass wir nur eine Baustelle pro Streckenabschnitt betreiben, um den laufenden Betrieb sicherzustellen», sagt Hanspeter Friedli. Deshalb würden die Projekte etappiert realisiert. Um die Fahrgäste und weitere Interessierte über die Projekte auf dem Laufenden zu erhalten, gestaltete die Forchbahn eine eigene Rubrik auf der Website, auf der die Projekte vorgestellt sind.

Auch benötigt die Forchbahn neue Fahrzeuge, da ein Grossteil des aktuellen Rollmaterials am Ende des Lebenszyklus ist. Gleichzeitig steigen die Passagierzahlen aufgrund des überproportionalen Wachstums der Bevölkerung im Einzugsgebiet der Forchbahn, insbesondere im Korridor Stadelhofen-Balgrist. «Im Jahr 2019 beförderte die Forchbahn 6'204'151 Passagiere. Damit stiessen wir an unsere Leistungsgrenze», so Hanspeter Friedli. Dazu kommt: Alle Gemeinden entlang der Forchbahn wachsen, wie das Gesamtverkehrsmodell des Kantons Zürich zeigt. «Für den Korridor Forch wird bis 2030 ein Bevölkerungswachstum von 4 Prozent erwartet und eine Zunahme der Beschäftigten gar um 17 Prozent», so Friedli weiter. Entsprechend ist der prognostizierte Zuwachs der öV-Nachfrage rund 4100 Fahrten pro Tag (plus 25 Prozent).

Dies hat einen Einfluss auf die Beschaffung der neuen Kursfahrzeuge, die ohnehin nötig ist, weil ein Grossteil der bestehenden Fahrzeugflotte am Ende der Lebensdauer ist oder diese gar bereits überschritten hat. Die Forchbahn muss ihre Flotte erweitern, um das erwartete Wachstum an Fahrgästen bewältigen zu können. Bis 2030 wurde ein jährliches Passagierwachstum von 1,4 Prozent berechnet, bis 2019 stiegen die Passagierzahlen der Forchbahn jedoch um gar 2 Prozent. Laut Bedarfsanalyse sind 75-Meter-Niederflurzügen einerseits die beste wirtschaftliche Lösung, mit der die Transportkapazität ausreichend ist. «Wir stossen bereits heute in den Hauptverkehrszeiten mit den 75 Meter langen Zügen an die Kapazitätsgrenzen», erläutert Friedli. «Würden wir weiterhin kürzere Fahrzeuge einsetzen, die während den Hauptverkehrszeiten gekoppelt verkehren, so hätte dies wegen der verlorenen Fahrgastflächen spürbar geringere Kapazitäten zur Folge», ergänzt Friedli. Geplant ist die Beschaffung von acht Niederflurfahrzeugen mit einer Länge von 75 Metern. Die Beschaffungskosten werden auf 95 Millionen Franken geschätzt.

Aufgrund des technologischen Wandels und des Fahrgastwachstums ist davon auszugehen, dass zukünftig nur noch technisch trennbare Züge eingesetzt werden. Die Forchbahn muss deshalb ihre Anlagen auf diese Art von Zügen dimensionieren und plant ein neues Instandhaltungszentrum auf der Forch. Die 1969 erstellte Depot- und Abstellanlage wurde 1997 um eine zusätzliche Abstellanlage erweitert. Auf eine umfassende Sanierung wurde bisher verzichtet. Dringende Unterhalts- und Sanierungsarbeiten wurden um Jahre zurückgestellt. Die meisten Gebäudeteile und Anlagen haben die technische Lebensdauer längst erreicht oder sogar überschritten. Sie müssen wieder auf den aktuellen Stand gebracht werden, um den behördlichen Vorschriften zu entsprechen. «Ein Neubau, wie er derzeit vorgesehen ist, garantiert einen bestmöglichen Fahrzeugunterhalt über die Nutzung von 80 Jahren», erklärt Friedli. Die Bausumme für das neue Instandhaltungszentrum ist mit rund 50 Millionen Franken veranschlagt.

Um eine dringend notwendige Erhöhung der Fahrplanstabilität geht es bei den Projekte Verlängerung Kreuzungsstelle Scheuren und Doppelspurausbau Neue Forch-Forch. «Die Bahninfrastruktur im einspurigen Streckenabschnitt zwischen den Haltestellen Neue Forch und Forch hat das Ende ihrer Lebensdauer erreicht und muss vollständig ersetzt werden», erklärt Friedli. Durch die geplante Doppelspur können die Züge nicht nur kreuzen, sondern wird auch das Überholen ermöglicht. Im gleichen Zug wird die Haltestelle Neue Forch an die Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes angepasst. Auch die Perrons des Bahnhofs Scheuren müssen entsprechend saniert werden. «Ausserdem kreuzen heute alle Züge im Normalbetrieb im Bahnhof Scheuren. Bei Verspätung eines Zuges nimmt der andere Zug diese mit, weil er wegen des einspurigen Abschnitts zwischen Scheuren und Forch auf den entgegenkommenden Zug warten muss», ergänzt Friedli.

Als erstes grosses Projekt steht die Sanierung des 1976 eröffneten Tunnels Zumikon an. Von 2022 bis 2024 werden beide Gleistrassen ersetzt und die Hülle von der Kanalisation bis zur Decke saniert. Nach der Sanierung sollte der Tunnel für rund 40 Jahre ohne grossen baulichen Unterhalt betrieben werden können. Weitere Projekte im Rahmen des Investitionsprogramms «Frieda 2030» sind der komplette Umbau der Haltestelle Waldburg sowie die Sicherung der derzeit noch nicht gesicherten Bahnübergänge in Zollikerberg und Egg. Für den rund 6,6 km langen Streckenabschnitt zwischen Waltikon und Hinteregg wird bis 2025 ein neues, elektronisches Stellwerk – und damit verbunden auch ein Leitsystem – eingebaut. Das Leitsystem ist gleichzeitig die Basis für ein künftiges dynamisches Fahrgastinformationssystem.

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